Die Bibel Martin Luther 1545

Der Brief des Paulus an die Kolosser (Author Paulus)

1:1Paulus, ein Apostel JEsu Christi durch den Willen GOttes, und Bruder Timotheus:

1:2Den Heiligen zu Kolossä und den gläubigen Brüdern in Christo. Gnade sei mit euch und Friede von GOtt, unserm Vater, und dem HErrn JEsu Christo!

1:3Wir danken GOtt und dem Vater unsers HErrn JEsu Christi und beten allezeit für euch,

1:4nachdem wir gehöret haben von eurem Glauben an Christum JEsum und von der Liebe zu allen Heiligen,

1:5um der Hoffnung willen, die euch beigelegt ist im Himmel, von welcher ihr zuvor gehöret habt durch das Wort der Wahrheit im Evangelium,

1:6das zu euch kommen ist wie auch in alle Welt und ist fruchtbar wie auch in euch von dem Tage an, da ihr's gehöret habt und erkannt die Gnade GOttes in der Wahrheit.

1:7Wie ihr denn gelernet habt von Epaphras, unserm lieben Mitdiener, welcher ist ein treuer Diener Christi für euch,

1:8der uns auch eröffnet hat eure Liebe im Geist.

1:9Derhalben auch wir von dem Tage an, da wir's gehöret haben, hören wir nicht auf, für euch zu beten und zu bitten, daß ihr erfüllet werdet mit Erkenntnis seines Willens in allerlei geistlicher Weisheit und Verstand,

1:10daß ihr wandelt würdiglich dem HErrn zu allem Gefallen und fruchtbar seid in allen guten Werken

1:11und wachset in der Erkenntnis GOttes und gestärket werdet mit aller Kraft nach seiner herrlichen Macht in aller Geduld und Langmütigkeit mit Freuden;

1:12und danksaget dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat zu dem Erbteil der Heiligen im Licht,

1:13welcher uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes,

1:14an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden,

1:15welcher ist das Ebenbild des unsichtbaren GOttes, der Erstgeborene vor allen Kreaturen.

1:16Denn durch ihn ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und Unsichtbare, beide, die Thronen und Herrschaften und Fürstentümer und Obrigkeiten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen.

1:17Und er ist vor allen; und es bestehet alles in ihm.

1:18Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde; welcher ist der Anfang und der Erstgeborene von den Toten, auf daß, er in allen Dingen den Vorrang habe.

1:19Denn es ist das Wohlgefallen gewesen, daß in ihm alle Fülle wohnen sollte,

1:20und alles durch ihn versöhnet würde zu ihm selbst, es sei auf Erden oder im Himmel, damit, daß er Frieden machte durch das Blut an seinem Kreuz durch sich selbst.

1:21Und euch, die ihr weiland Fremde und Feinde waret durch die Vernunft in bösen Werken,

1:22nun aber hat er euch versöhnet mit dem Leibe seines Fleisches durch den Tod, auf daß er euch darstellete heilig und unsträflich und ohne Tadel vor ihm selbst,

1:23so ihr anders bleibet im Glauben gegründet und fest und unbeweglich von der Hoffnung des Evangeliums, welches ihr gehöret habt, welches geprediget ist unter aller Kreatur, die unter dem Himmel ist, welches ich, Paulus, Diener worden bin.

1:24Nun freue ich mich in meinem Leiden, das ich für euch leide, und erstatte an meinem Fleisch, was noch mangelt an Trübsalen in Christo für seinen Leib, welcher ist die Gemeinde,

1:25welcher ich ein Diener worden bin nach dem göttlichen Predigtamt, das mir gegeben ist unter euch, daß ich das Wort GOttes reichlich predigen soll,

1:26nämlich das Geheimnis, das verborgen gewesen ist von der Welt her und von den Zeiten her, nun aber offenbaret ist seinen Heiligen,

1:27welchen GOtt gewollt hat kundtun, welcher da sei der herrliche Reichtum dieses Geheimnisses unter den Heiden, welches ist Christus in euch, der da ist die Hoffnung der Herrlichkeit,

1:28den wir verkündigen, und vermahnen alle Menschen und lehren alle Menschen mit aller Weisheit, auf daß wir darstellen einen jeglichen Menschen vollkommen in Christo JEsu,

1:29daran ich auch arbeite und ringe nach der Wirkung des, der in mir kräftiglich wirket.

2:1Ich lasse euch aber wissen, welch einen Kampf ich habe um euch und um die zu Laodicea und alle, die meine Person im Fleisch nicht gesehen haben,

2:2auf daß ihre Herzen ermahnet und zusammengefasset werden in der Liebe zu allem Reichtum des gewissen Verstandes, zu erkennen das Geheimnis GOttes und des Vaters und Christi,

2:3in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.

2:4Ich sage aber davon, daß euch niemand betrüge mit vernünftigen Reden.

2:5Denn ob ich wohl nach dem Fleisch nicht da bin, so bin ich aber im Geist bei euch, freue mich und sehe eure Ordnung und euren festen Glauben an Christum.

2:6Wie ihr nun angenommen habt den HErrn Christum JEsum, so wandelt in ihm

2:7und seid gewurzelt und erbauet in ihm und seid fest im Glauben, wie ihr gelehret seid, und seid in demselbigen reichlich dankbar.

2:8Sehet zu, daß euch niemand beraube durch die Philosophie und lose Verführung nach der Menschen Lehre und nach der Welt Satzungen und nicht nach Christo.

2:9Denn in ihm wohnet die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.

2:10Und ihr seid vollkommen in ihm, welcher ist das Haupt aller Fürstentümer und Obrigkeit,

2:11in welchem ihr auch beschnitten seid mit der Beschneidung ohne Hände, durch Ablegung des sündlichen Leibes im Fleisch, nämlich mit der Beschneidung Christi,

2:12in dem, daß ihr mit ihm begraben seid durch die Taufe; in welchem ihr auch seid auferstanden durch den Glauben, den GOtt wirket, welcher ihn auferweckt hat von den Toten

2:13und hat euch auch mit ihm lebendig gemacht, da ihr tot waret in den Sünden und in der Vorhaut eures Fleisches, und hat uns geschenket alle Sünden

2:14und ausgetilget die Handschrift, so wider uns war, welche durch Satzungen entstund und uns entgegen war, und hat sie aus dem Mittel getan und an das Kreuz geheftet.

2:15Und hat ausgezogen die Fürstentümer und die Gewaltigen und sie Schau getragen öffentlich und einen Triumph aus ihnen gemacht durch sich selbst.

2:16So lasset nun niemand euch Gewissen machen über Speise oder über Trank oder über bestimmte Feiertage oder Neumonde oder Sabbate,

2:17welches ist der Schatten von dem, was zukünftig war; aber der Körper selbst ist in Christo.

2:18Lasset euch niemand das Ziel verrücken, der nach eigener Wahl einhergehet in Demut und Geistlichkeit der Engel, des er nie keines gesehen hat, und ist ohne Sache aufgeblasen in seinem fleischlichen Sinn

2:19und hält sich nicht an dem Haupt, aus welchem der ganze Leib durch Gelenk und Fugen Handreichung empfänget, und aneinander sich enthält und also wächset zur göttlichen Größe.

2:20So ihr denn nun abgestorben seid mit Christo den Satzungen der Welt, was lasset ihr euch denn fangen mit Satzungen, als lebetet ihr noch in der Welt?

2:21Die da sagen: Du sollst das nicht angreifen, du sollst das nicht kosten, du sollst das nicht anrühren,

2:22welches sich doch alles, unter Händen verzehret, und ist Menschengebot und - lehre;

2:23welche haben einen Schein der Weisheit durch selbsterwählte Geistlichkeit und Demut und dadurch, daß sie des Leibes nicht verschonen und dem Fleisch nicht seine Ehre tun zu seiner Notdurft.

3:1Seid ihr nun mit Christo auferstanden, so suchet, was droben ist, da Christus ist, sitzend zu der Rechten GOttes.

3:2Trachtet nach dem, was droben ist, und nicht nach dem, was auf Erden ist!

3:3Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christo in GOtt.

3:4Wenn aber Christus, euer Leben, sich offenbaren wird, dann werdet ihr auch offenbar werden mit ihm in der Herrlichkeit.

3:5So tötet nun eure Glieder, die auf Erden sind: Hurerei, Unreinigkeit, schändliche Brunst, böse Lust und den Geiz, welcher ist Abgötterei,

3:6um welcher willen kommt der Zorn GOttes über die Kinder des Unglaubens;

3:7in welchen auch ihr weiland gewandelt habt, da ihr darin lebetet.

3:8Nun aber leget alles ab von euch: den Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte aus eurem Munde.

3:9Lüget nicht untereinander! Ziehet den alten Menschen mit seinen Werken aus

3:10und ziehet den neuen an, der da erneuert wird zu der Erkenntnis nach dem Ebenbilde des, der ihn geschaffen hat,

3:11da nicht ist Grieche, Jude, Beschneidung, Vorhaut, Ungrieche, Scythe, Knecht, Freier, sondern alles und in allen Christus.

3:12So ziehet nun an, als die Auserwählten GOttes, Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld

3:13und vertrage einer den andern, und vergebet euch untereinander, so jemand Klage hat wider den andern; gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr.

3:14Über alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.

3:15Und der Friede GOttes regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen seid in einem Leibe; und seid dankbar.

3:16Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit. Lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen Liedern und singet dem HErrn in eurem Herzen.

3:17Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles in dem Namen des HErrn JEsu und danket GOtt und dem Vater durch ihn.

3:18Ihr Weiber, seid untertan euren Männern in dem HErrn, wie sich's gebührt.

3:19Ihr Männer, liebet eure Weiber und seid nicht bitter gegen sie!

3:20Ihr Kinder, seid gehorsam den Eltern in allen Dingen; denn das ist dem HErrn gefällig.

3:21Ihr Väter, erbittert eure Kinder nicht, auf daß sie nicht scheu werden.

3:22Ihr Knechte, seid gehorsam in allen Dingen euren leiblichen Herren, nicht mit Dienst vor Augen, als den Menschen zu gefallen, sondern mit Einfältigkeit des Herzens und mit Gottesfurcht.

3:23Alles, was ihr tut, das tut von Herzen, als dem HErrn und nicht den Menschen;

3:24und wisset, daß ihr von dem HErrn empfangen werdet die Vergeltung des Erbes; denn ihr dienet dem HErrn Christo.

3:25Wer aber unrecht tut, der wird empfangen; was er unrecht getan hat; und gilt kein Ansehen der Person.

4:1Ihr Herren, was recht und gleich ist, das beweiset den Knechten und wisset, daß ihr auch einen HErrn im Himmel habt.

4:2Haltet an am Gebet und wachet in demselbigen mit Danksagung!

4:3Und betet zugleich auch für uns, auf daß GOtt uns die Tür des Worts auftue, zu reden das Geheimnis Christi, darum ich auch gebunden bin,

4:4auf daß ich dasselbige offenbare, wie ich soll reden.

4:5Wandelt weislich gegen die, die draußen sind, und schicket euch in die Zeit!

4:6Eure Rede sei allezeit lieblich und mit Salz gewürzet, daß ihr wisset, wie ihr einem jeglichen antworten sollt.

4:7Wie es um mich stehet, wird euch alles kundtun Tychikus, der liebe Bruder und getreue Diener und Mitknecht in dem HErrn,

4:8welchen ich habe darum zu euch gesandt, daß er erfahre, wie es sich mit euch verhält, und daß er eure Herzen ermahne,

4:9samt Onesimus, dem getreuen und lieben Bruder, welcher von den Euren ist. Alles, wie es hier zustehet, werden sie euch kundtun.

4:10Es grüßet euch Aristarchus, mein Mitgefangener, und Markus, der Neffe Barnabas, von welchem ihr etliche Befehle empfangen habt (so er zu euch kommt, nehmet ihn auf);

4:11Und Jesus, der da heißt Just, die aus der Beschneidung sind. Diese sind allein meine Gehilfen am Reich GOttes, die mir ein Trost worden sind.

4:12Es grüßet euch Epaphras, der von den Euren ist, ein Knecht Christi, und allezeit ringet für euch mit Gebeten, auf daß ihr bestehet vollkommen und erfüllet mit allem Willen GOttes.

4:13Ich gebe ihm Zeugnis, daß er großen Fleiß hat um euch und um die zu Laodicea und zu Hierapolis.

4:14Es grüßet euch Lukas, der Arzt, der Geliebte, und Demas.

4:15Grüßet die Brüder zu Laodicea und den, Nymphas und die Gemeinde in seinem Hause.

4:16Und wenn der Brief bei euch gelesen ist, so schaffet, daß er auch in der Gemeinde zu Laodicea gelesen werde, und daß ihr den von Laodicea leset.

4:17Und saget dem Archippus: Siehe auf das Amt, das du empfangen hast in dem HErrn, daß du dasselbige ausrichtest!

4:18Mein Gruß mit meiner, des Paulus, Hand. Gedenket meiner Bande! Die Gnade sei mit euch! Amen.



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