Die Bibel Martin Luther 1545

Das Buch Hiob (Author Hiob and/or Mose)

32:1Da höreten die drei Männer auf, Hiob zu antworten, weil er sich für gerecht hielt.

32:2Aber Elihu, der Sohn Baracheels, von Bus, des Geschlechts Ram, ward zornig über Hiob, daß er seine Seele gerechter hielt denn GOtt.

32:3Auch ward er zornig über seine drei Freunde, daß sie keine Antwort fanden und doch Hiob verdammeten.

32:4Denn Elihu hatte geharret, bis daß sie mit Hiob geredet hatten, weil sie älter waren denn er.

32:5Darum, da er sah, daß keine Antwort war im Munde der drei Männer, ward er zornig.

32:6Und so antwortete Elihu, der Sohn Baracheels, von Bus, und sprach: Ich bin jung, ihr aber seid alt; darum hab ich mich gescheuet und gefürchtet, meine Kunst an euch zu beweisen.

32:7Ich dachte: Laß die Jahre reden, und die Menge des Alters laß Weisheit beweisen.

32:8Aber der Geist ist in den Leuten, und der Odem des Allmächtigen macht sie verständig.

32:9Die Großen sind nicht die Weisesten, und die Alten verstehen nicht das Recht.

32:10Darum will ich auch reden; höre mir zu! Ich will meine Kunst auch sehen lassen.

32:11Siehe, ich habe geharret, daß ihr geredet habt; ich habe aufgemerkt auf euren Verstand, bis ihr träfet die rechte Rede,

32:12und habe achtgehabt auf euch; aber siehe, da ist keiner unter euch, der Hiob strafe oder seiner Rede antworte.

32:13Ihr werdet vielleicht sagen: Wir haben die Weisheit getroffen, daß GOtt ihn verstoßen hat, und sonst niemand.

32:14Die Rede tut mir nicht genug; ich will ihm nicht so nach eurer Rede antworten.

32:15Ach! sie sind verzagt, können nicht mehr antworten, sie können nicht mehr reden.

32:16Weil ich denn geharret habe, und sie konnten nicht reden (denn sie stehen still und antworten nicht mehr),

32:17will doch ich mein Teil antworten und will meine Kunst beweisen.

32:18Denn ich bin der Rede so voll, daß mich der Odem in meinem Bauche ängstet.

32:19Siehe, mein Bauch ist wie der Most, der zugestopfet ist, der die neuen Fässer zerreißet.

32:20Ich muß reden, daß ich Odem hole; ich muß meine Lippen auftun und antworten.

32:21Ich will niemandes Person ansehen und will keinen Menschen rühmen.

32:22Denn ich weiß nicht, wo ich's täte, ob mich mein Schöpfer über ein kleines hinnehmen würde.

33:1Höre doch, Hiob, meine Rede und merke auf alle meine Worte!

33:2Siehe, ich tue meinen Mund auf, und meine Zunge redet in meinem Munde.

33:3Mein Herz soll recht reden, und meine Lippen sollen den reinen Verstand sagen.

33:4Der Geist GOttes hat mich gemacht, und der Odem des Allmächtigen hat mir das Leben gegeben.

33:5Kannst du, so antworte mir; schicke dich gegen mich und stelle dich!

33:6Siehe ich bin GOttes ebensowohl als du, und aus Leimen bin ich auch gemacht.

33:7Doch du darfst vor mir nicht erschrecken, und meine Hand soll dir nicht zu schwer sein.

33:8Du hast geredet vor meinen Ohren, die Stimme deiner Rede mußte ich hören:

33:9Ich bin rein, ohne Missetat, unschuldig und habe keine Sünde.

33:10Siehe, er hat eine Sache wider mich funden, darum achtet er mich für seinen Feind.

33:11Er hat meinen Fuß in Stock gelegt und hat alle meine Wege verwahret.

33:12Siehe, eben daraus schließe ich wider dich, daß du nicht recht bist; denn GOtt ist mehr weder ein Mensch.

33:13Warum willst du mit ihm zanken, daß er dir nicht Rechenschaft gibt alles seines Tuns?

33:14Denn wenn GOtt einmal etwas beschließt, so bedenket er's nicht erst her nach.

33:15Im Traum des Gesichts in der Nacht, wenn der Schlaf auf die Leute fällt, wenn sie schlafen auf dem Bette,

33:16da öffnet er das Ohr der Leute und schreckt sie und züchtiget sie,

33:17daß er den Menschen von seinem Vorhaben wende und beschirme ihn vor Hoffart.

33:18Und verschonet seiner Seele vor dem Verderben und seines Lebens, daß es nicht ins Schwert falle.

33:19Er straft ihn mit Schmerzen auf seinem Bette und alle seine Gebeine heftig;

33:20und richtet ihm sein Leben so zu, daß ihm vor der Speise ekelt, und seine Seele, daß sie nicht Lust zu essen hat.

33:21Sein Fleisch verschwindet, daß er nicht wohl sehen mag, und seine Beine werden zerschlagen, daß man sie nicht gerne ansiehet,

33:22daß seine Seele nahet zum Verderben und sein Leben zu den Toten.

33:23So dann ein Engel, einer aus tausend, mit ihm redet, zu verkündigen dem Menschen, wie er solle recht tun,

33:24so wird er ihm gnädig sein und sagen: Er soll erlöset werden, daß er nicht hinunterfahre ins Verderben; denn ich habe eine Versöhnung funden.

33:25Sein Fleisch grüne wieder wie in der Jugend, und laß ihn wieder jung werden.

33:26Er wird GOtt bitten; der wird ihm Gnade erzeigen und wird sein Antlitz sehen lassen mit Freuden und wird dem Menschen nach seiner Gerechtigkeit vergelten.

33:27Er wird vor den Leuten bekennen und sagen: Ich wollte gesündiget und das Recht verkehret haben, aber es hätte mir nichts genützet.

33:28Er hat meine Seele erlöset, daß sie nicht führe ins Verderben, sondern mein Leben das Licht sähe.

33:29Siehe, das alles tut GOtt zwei oder dreimal mit einem jeglichen,

33:30daß er seine Seele herumhole aus dem Verderben und erleuchte ihn mit dem Licht der Lebendigen.

33:31Merke auf, Hiob, und höre mir zu, und schweige, daß ich rede!

33:32Hast du aber was zu sagen, so antworte mir; sage her, bist du recht, ich will's gerne hören.

33:33Hast du aber nichts, so höre mir zu und schweige, ich will dich die Weisheit lehren.

34:1Und Elihu antwortete und sprach:

34:2Höret, ihr Weisen, meine Rede, und ihr Verständigen, merket auf mich!

34:3Denn das Ohr prüfet die Rede, und der Mund schmecket die Speise.

34:4Laßt uns ein Urteil erwählen, daß wir erkennen unter uns, was gut sei.

34:5Denn Hiob hat gesagt: Ich bin gerecht, und GOtt weigert mir mein Recht.

34:6Ich muß lügen, ob ich wohl recht habe, und bin gequälet von meinen Pfeilen, ob ich wohl nichts verschuldet habe.

34:7Wer ist ein solcher wie Hiob, der da Spötterei trinket wie Wasser

34:8und auf dem Wege gehet mit den Übeltätern und wandelt mit den gottlosen Leuten?

34:9Denn er hat gesagt: Wenn jemand schon fromm ist, so gilt er doch nichts bei GOtt.

34:10Darum höret mir zu, ihr weisen Leute: Es sei ferne, daß GOtt sollte gottlos sein und der Allmächtige ungerecht,

34:11sondern er vergilt dem Menschen, danach er verdienet hat, und trifft einen jeglichen nach seinem Tun.

34:12Ohne Zweifel, GOtt verdammet niemand mit Unrecht, und der Allmächtige beuget das Recht nicht.

34:13Wer hat, das auf Erden ist, verordnet, und wer hat den ganzen Erdboden gesetzt?

34:14So er sich's würde unterwinden, so würde er aller Geist und Odem zu sich sammeln.

34:15Alles Fleisch würde miteinander vergehen, und der Mensch würde wieder zu Asche werden.

34:16Hast du nun Verstand, so höre das und merke auf die Stimme meiner Rede.

34:17Sollte einer darum das Recht zwingen, daß er's hasset? Und daß du stolz bist, solltest du darum den Gerechten verdammen?

34:18Sollt einer zum Könige sagen: Du loser Mann! und zu den Fürsten: Ihr Gottlosen!?

34:19Der doch nicht ansiehet die Person der Fürsten und kennet den Herrlichen nicht mehr denn den Armen; denn sie sind alle seiner Hände Werk.

34:20Plötzlich müssen die Leute sterben und zu Mitternacht erschrecken und vergehen; die Mächtigen werden kraftlos weggenommen.

34:21Denn seine Augen sehen auf eines jeglichen Wege, und er schaut alle ihre Gänge.

34:22Es ist kein Finsternis noch Dunkel, daß sich da möchten verbergen die Übeltäter.

34:23Denn es wird niemand gestattet, daß er mit GOtt rechte.

34:24Er bringet der Stolzen viel um, die nicht zu zählen sind, und stellet andere an ihre Statt,

34:25darum daß er kennet ihre Werke und kehret sie um des Nachts, daß sie zerschlagen werden.

34:26Er wirft die Gottlosen über einen Haufen, da man's gerne siehet,

34:27darum daß sie von ihm weggewichen sind und verstunden seiner Wege keinen,

34:28daß das Schreien der Armen mußte vor ihn kommen, und er das Schreien der Elenden hörete.

34:29Wenn er Frieden gibt, wer will verdammen? und wenn er das Antlitz verbirget, wer will ihn schauen unter den Völkern und Leuten?

34:30Und läßt über sie regieren einen Heuchler, das Volk zu drängen.

34:31Ich muß für GOtt reden und kann's nicht lassen.

34:32Hab ich's nicht getroffen, so lehre du mich's besser; hab ich unrecht gehandelt, ich will's nicht mehr tun.

34:33Man wartet der Antwort von dir, denn du verwirfst alles; und du hast's angefangen und nicht ich. Weißest du nun was, so sage an!

34:34Weise Leute lasse ich mir sagen, und ein weiser Mann gehorchet mir.

34:35Aber Hiob redete mit Unverstand, und seine Worte sind nicht klug.

34:36Mein Vater! laß Hiob versucht werden bis ans Ende, darum daß er sich zu unrechten Leuten kehret.

34:37Er hat über seine Sünde dazu noch gelästert; darum laß Ihn zwischen uns geschlagen werden und danach viel wider GOtt plaudern.



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