Die Bibel Martin Luther 1545

Der Psalter (Author Mose, David, Solomon, Asaphs, Heman, Ethan, sons of Korah, compiled by Esra)

10:1HErr, warum trittst du so ferne, verbirgest dich zur Zeit der Not?

10:2Weil der Gottlose Übermut treibet, muß der Elende leiden. Sie hängen sich aneinander und erdenken böse Tücke.

10:3Denn der Gottlose rühmet sich seines Mutwillens, und der Geizige segnet sich und lästert den HErrn.

10:4Der Gottlose ist so stolz und zornig, daß er nach niemand fraget; in allen seinen Tücken hält er GOtt für nichts.

10:5Er fähret fort mit seinem Tun immerdar; deine Gerichte sind ferne von ihm; er handelt trotzig mit allen seinen Feinden.

10:6Er spricht in seinem Herzen: Ich werde nimmermehr daniederliegen; es wird für und für keine Not haben.

10:7Sein Mund ist voll Fluchens, Falsches und Trugs; seine Zunge richtet Mühe und Arbeit an.

10:8Er sitzt und lauert in den Höfen; er erwürget die Unschuldigen heimlich; seine Augen halten auf die Armen.

10:9Er lauert im Verborgenen, wie ein Löwe in der Höhle; er lauert, daß er den Elenden erhasche, und erhaschet ihn, wenn er ihn in sein Netz zeucht.

10:10Er zerschlägt und drücket nieder und stößt zu Boden den Armen mit Gewalt.

10:11Er spricht in seinem Herzen: GOtt hat's vergessen; er hat sein Antlitz verborgen, er wird's nimmermehr sehen.

10:12Stehe auf, HErr GOtt, erhebe deine Hand; vergiß der Elenden nicht!

10:13Warum soll der Gottlose GOtt lästern und in seinem Herzen sprechen: Du fragst nicht danach?

10:14Du siehest ja, denn du schauest das Elend und Jammer; es stehet in deinen Händen. Die Armen befehlen's dir; du bist der Waisen Helfer.

10:15Zerbrich den Arm des Gottlosen und suche das Böse, so wird man sein gottlos Wesen nimmer finden.

10:16Der HErr ist König immer und ewiglich; die Heiden müssen aus seinem Land umkommen.

10:17Das Verlangen der Elenden hörest du, HErr; ihr Herz ist gewiß, daß dein Ohr drauf merket,

10:18daß du Recht schaffest dem Waisen und Armen, daß der Mensch nicht mehr trotze auf Erden.

11:0Ein Psalm Davids, vorzusingen.

11:1Ich traue auf den HErrn. Wie saget ihr denn zu meiner Seele, sie soll fliegen wie ein Vogel auf eure Berge?

11:2Denn siehe, die Gottlosen spannen den Bogen und legen ihre Pfeile auf die Sehne, damit heimlich zu schießen die Frommen.

11:3Denn sie reißen den Grund um; was soll der Gerechte ausrichten?

11:4Der HErr ist in seinem heiligen Tempel, des HErrn Stuhl ist im Himmel; seine Augen sehen drauf, seine Augenlider prüfen die Menschenkinder.

11:5Der HErr prüfet den Gerechten; seine Seele hasset den Gottlosen und die gerne freveln.

11:6Er wird regnen lassen über die Gottlosen Blitz, Feuer und Schwefel und wird ihnen ein Wetter zu Lohn geben.

11:7Der HErr ist gerecht und hat Gerechtigkeit lieb, darum daß ihre Angesichte schauen auf das da recht ist.

12:0Ein Psalm Davids, vorzusingen auf acht Saiten.

12:1Hilf, HErr, die Heiligen haben abgenommen, und der Gläubigen ist wenig unter den Menschenkindern.

12:2Einer redet mit dem andern unnütze Dinge und heucheln und lehren aus uneinigem Herzen.

12:3Der HErr wolle ausrotten alle Heuchelei und die Zunge, die da stolz redet,

12:4die da sagen: Unsere Zunge soll überhand haben, uns gebührt zu reden; wer ist unser HErr?

12:5Weil denn die Elenden verstöret werden und die Armen seufzen, will ich auf, spricht der HErr; ich will eine Hilfe schaffen, daß man getrost lehren soll.

12:6Die Rede des HErrn ist lauter, wie durchläutert Silber im irdenen Tiegel, bewähret siebenmal.

12:7Du, HErr, wollest sie bewahren und uns behüten vor diesem Geschlecht ewiglich.

12:8Denn es wird allenthalben voll Gottloser, wo solche lose Leute unter den Menschen herrschen.



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