Die Bibel Martin Luther 1545

Der Psalter (Author Mose, David, Solomon, Asaphs, Heman, Ethan, sons of Korah, compiled by Esra)

88:1HErr GOtt, mein Heiland, ich schreie Tag und Nacht vor dir.

88:2Laß mein Gebet vor dich kommen; neige deine Ohren zu meinem Geschrei!

88:3Denn meine Seele ist voll Jammers, und mein Leben ist nahe bei der Hölle.

88:4Ich bin geachtet gleich denen, die zur Hölle fahren; ich bin wie ein Mann, der keine Hilfe hat.

88:5Ich liege unter den Toten verlassen, wie die Erschlagenen, die im Grabe liegen, deren du nicht mehr gedenkest, und sie von deiner Hand abgesondert sind.

88:6Du hast mich in die Grube hinuntergelegt, in die Finsternis und in die Tiefe.

88:7Dein Grimm drücket mich, und drängest mich mit allen deinen Fluten. Sela.

88:8Meine Freunde hast du ferne von mir getan; du hast mich ihnen zum Greuel gemacht. Ich liege gefangen und kann nicht auskommen.

88:9Meine Gestalt ist jämmerlich vor Elend. HErr, ich rufe dich an täglich; ich breite meine Hände aus zu dir.

88:10Wirst du denn unter den Toten Wunder tun, oder werden die Verstorbenen aufstehen und dir danken? Sela.

88:11Wird man in Gräbern erzählen deine Güte und deine Treue im Verderben?

88:12Mögen denn deine Wunder in Finsternis erkannt werden, oder deine Gerechtigkeit im Lande, da man nichts gedenket?

88:13Aber ich schreie zu dir, HErr, und mein Gebet kommt frühe vor dich,

88:14Warum verstößest du, HErr, meine Seele und verbirgest dein Antlitz vor mir?

88:15Ich bin elend und ohnmächtig, daß ich so verstoßen bin, und leide dein Schrecken, daß ich schier verzage.

88:16Dein Grimm gehet über mich, dein Schrecken drücket mich.

88:17Sie umgeben mich täglich wie Wasser und umringen mich miteinander.

88:18Du machest, daß meine Freunde und Nächsten und meine Verwandten sich ferne von mir tun um solches Elendes willen.

89:0Eine Unterweisung Ethans, des Esrahiten.

89:1Ich will singen von der Gnade des HErrn ewiglich und seine Wahrheit verkündigen mit meinem Munde für und für,

89:2und sage also: Daß eine ewige Gnade wird aufgehen, und du wirst deine Wahrheit treulich halten im Himmel.

89:3Ich habe einen Bund gemacht mit meinem Auserwählten, ich habe David, meinem Knechte, geschworen:

89:4Ich will dir ewiglich Samen verschaffen und deinen Stuhl bauen für und für. Sela.

89:5Und die Himmel werden, HErr, deine Wunder preisen und deine Wahrheit in der Gemeine der Heiligen.

89:6Denn wer mag in den Wolken dem HErrn gleich gelten und gleich sein unter den Kindern der Götter dem HErrn?

89:7GOtt ist fast mächtig in der Sammlung der Heiligen und wunderbarlich über alle, die um ihn sind.

89:8HErr, GOtt, Zebaoth, wer ist wie du, ein mächtiger GOtt? Und deine Wahrheit ist um dich her.

89:9Du herrschest über das ungestüme Meer; du stillest seine Wellen, wenn sie sich erheben.

89:10Du schlägst Rahab zu Tode; du zerstreuest deine Feinde mit deinem starken Arm.

89:11Himmel und Erde ist dein; du hast gegründet den Erdboden, und was drinnen ist.

89:12Mitternacht und Mittag hast du geschaffen; Thabor und Hermon jauchzen in deinem Namen.

89:13Du hast einen gewaltigen Arm; stark ist deine Hand und hoch ist deine Rechte.

89:14Gerechtigkeit und Gericht ist deines Stuhls Festung; Gnade und Wahrheit sind vor deinem Angesichte.

89:15Wohl dem Volk, das jauchzen kann! HErr, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln.

89:16Sie werden über deinem Namen täglich fröhlich sein und in deiner Gerechtigkeit herrlich sein.

89:17Denn du bist der Ruhm ihrer Stärke und durch deine Gnade wirst du unser Horn erhöhen.

89:18Denn der HErr ist unser Schild, und der Heilige in Israel ist unser König.

89:19Dazumal redetest du im Gesichte zu deinem Heiligen und sprachest: Ich habe einen Held erwecket, der helfen soll; ich habe erhöhet einen Auserwählten aus dem Volk;

89:20ich habe funden meinen Knecht David, ich habe ihn gesalbet mit meinem heiligen Öle.

89:21Meine Hand soll ihn erhalten, und mein Arm soll ihn stärken.

89:22Die Feinde sollen ihn nicht überwältigen, und die Ungerechten sollen ihn nicht dämpfen,

89:23sondern ich will seine Widersacher schlagen vor ihm her, und die ihn hassen, will ich plagen.

89:24Aber meine Wahrheit und Gnade soll bei ihm sein, und sein Horn soll in meinem Namen erhaben werden.

89:25Ich will seine Hand ins Meer stellen und seine Rechte in die Wasser.

89:26Er wird mich nennen also: Du bist mein Vater, mein GOtt und Hort, der mir hilft.

89:27Und ich will ihn zum ersten Sohn machen, allerhöchst unter den Königen auf Erden.

89:28Ich will ihm ewiglich behalten meine Gnade, und mein Bund soll ihm fest bleiben.

89:29Ich will ihm ewiglich Samen geben und seinen Stuhl, solange der Himmel währet, erhalten.

89:30Wo aber seine Kinder mein Gesetz verlassen und in meinen Rechten nicht wandeln,

89:31so sie meine Ordnungen entheiligen und meine Gebote nicht halten,

89:32will ich ihre Sünde mit der Rute heimsuchen und ihre Missetat mit Plagen.

89:33Aber meine Gnade will ich nicht von ihm wenden und meine Wahrheit nicht lassen fehlen.

89:34Ich will meinen Bund nicht entheiligen und nicht ändern, was aus meinem Munde gegangen ist.

89:35Ich habe einst geschworen bei meiner Heiligkeit: Ich will David nicht lügen.

89:36Sein Same soll ewig sein und sein Stuhl vor mir wie die Sonne;

89:37wie der Mond soll er ewiglich erhalten sein und gleichwie der Zeuge in den Wolken gewiß sein. Sela.

89:38Aber nun verstößest du und verwirfest und zürnest mit deinem Gesalbten.

89:39Du verstörest den Bund deines Knechtes und trittst seine Krone zu Boden.

89:40Du zerreißest alle seine Mauern und lässest seine Festen zerbrechen.

89:41Es rauben ihn alle, die vorübergehen; er ist seinen Nachbarn ein Spott worden.

89:42Du erhöhest die Rechte seiner Widerwärtigen und erfreuest alle seine Feinde.

89:43Auch hast du die Kraft seines Schwerts weggenommen und lässest ihn nicht siegen im Streit.

89:44Du zerstörest seine Reinigkeit und wirfest seinen Stuhl zu Boden.

89:45Du verkürzest die Zeit seiner Jugend und bedeckest ihn mit Hohn. Sela.

89:46HErr, wie lange willst du dich so gar verbergen und deinen Grimm wie Feuer brennen lassen?

89:47Gedenke, wie kurz mein Leben ist! Warum willst du alle Menschen umsonst geschaffen haben?

89:48Wo ist jemand, der da lebet und den Tod nicht sehe, der seine Seele errette aus der Hölle Hand? Sela.

89:49HErr, wo ist deine vorige Gnade, die du David geschworen hast in deiner Wahrheit?

89:50Gedenke, HErr, an die Schmach deiner Knechte, die ich trage in meinem Schoß von so vielen Völkern allen,

89:51damit dich, HErr, deine Feinde schmähen, damit sie schmähen die Fußtapfen deines Gesalbten.

89:52Gelobet sei der HErr ewiglich! Amen, Amen.

90:0Ein Gebet Moses, des Mannes GOttes.

90:1HErr GOtt, du bist unsere Zuflucht für und für.

90:2Ehe denn die Berge worden und die Erde und die Welt geschaffen worden, bist du, GOtt, von Ewigkeit zu Ewigkeit,

90:3der du die Menschen lässest sterben und sprichst: Kommt wieder, Menschenkinder!

90:4Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Nachtwache.

90:5Du lässest sie dahinfahren wie einen Strom, und sind wie ein Schlaf, gleichwie ein Gras, das doch bald welk wird,

90:6das da frühe blühet und bald welk wird und des Abends abgehauen wird und verdorret.

90:7Das macht dein Zorn, daß wir so vergehen, und dein Grimm, daß wir so plötzlich dahin müssen.

90:8Denn unsere Missetat stellest du vor dich, unsere unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesichte.

90:9Darum fahren alle unsere Tage dahin durch deinen Zorn; wir bringen unsere Jahre zu wie ein Geschwätz.

90:10Unser Leben währet siebenzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre; und wenn's köstlich gewesen ist, so ist's Mühe und Arbeit gewesen; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.

90:11Wer glaubt es aber, daß du so sehr zürnest? und wer fürchtet sich vor solchem deinem Grimm?

90:12Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden.

90:13HErr, kehre dich doch wieder zu uns und sei deinen Knechten gnädig!

90:14Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.

90:15Erfreue uns nun wieder, nachdem du uns so lange plagest, nachdem wir so lange Unglück leiden.

90:16Zeige deinen Knechten deine Werke und deine Ehre ihren Kindern!

90:17Und der HErr, unser GOtt, sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände bei uns; ja das Werk unserer Hände wolle er fördern!



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