Die Bibel Martin Luther 1545

Das Buch Hiob (Author Hiob and/or Mose)

Kapitel 21

1Hiob antwortete und sprach:2Höret doch zu meiner Rede und lasset euch raten!3Vertraget mich, daß ich auch rede, und spottet danach mein.4Handele ich denn mit einem Menschen, daß mein Mut hierin nicht sollte unwillig sein?5Kehret euch her zu mir; ihr werdet sauer sehen und die Hand aufs Maul legen müssen.6Wenn ich daran gedenke, so erschrecke ich, und Zittern kommt mein Fleisch an.7Warum leben denn die Gottlosen, werden alt und nehmen zu mit Gütern?8Ihr Same ist sicher um sie her, und ihre Nachkömmlinge sind bei ihnen.9Ihr Haus hat Frieden vor der Furcht, und GOttes Rute ist nicht über ihnen.10Seine Ochsen lässet man zu, und mißrät ihm nicht; seine Kuh kalbet und ist nicht unfruchtbar.11Ihre jungen Kinder gehen aus wie eine Herde, und ihre Kinder lecken.12Sie jauchzen mit Pauken und Harfen und sind fröhlich mit Pfeifen.13Sie werden alt bei guten Tagen und erschrecken kaum einen Augenblick vor der Hölle,14die doch sagen zu GOtt: Hebe dich von uns, wir wollen von deinen Wegen nicht wissen.15Wer ist der Allmächtige, daß wir ihm dienen sollten, oder was sind wir gebessert, so wir ihn anrufen?16Aber siehe, ihr Gut stehet nicht in ihren Händen; darum soll der Gottlosen Sinn ferne von mir sein.17Wie wird die Leuchte der Gottlosen verlöschen und ihr Unglück über sie kommen! Er wird Herzeleid austeilen in seinem Zorn.18Sie werden sein wie Stoppeln vor dem Winde und wie Spreu, die der Sturmwind wegführet.19GOtt behält desselben Unglück auf seine Kinder. Wenn er's ihm vergelten wird, so wird man's inne werden.20Seine Augen werden sein Verderben sehen, und vom Grimm des Allmächtigen wird er trinken.21Denn wer wird Gefallen haben an seinem Hause nach ihm? Und die Zahl seiner Monden wird kaum halb bleiben.22Wer will GOtt lehren, der auch die Hohen richtet?23Dieser stirbt frisch und gesund in allem Reichtum und voller Genüge;24sein Melkfaß ist voll Milch, und seine Gebeine werden gemästet mit Mark;25jener aber stirbt mit betrübter Seele und hat nie mit Freuden gegessen;26und liegen gleich miteinander in der Erde, und Würmer decken sie zu.27Siehe, ich kenne eure Gedanken wohl und euer frevel Vornehmen wider mich.28Denn ihr sprechet: Wo ist das Haus des Fürsten, und wo ist die Hütte, da die Gottlosen wohneten?29Redet ihr doch davon wie der gemeine Pöbel und merket nicht, was jener Wesen bedeutet.30Denn der Böse wird behalten auf den Tag des Verderbens, und auf den Tag des Grimms bleibet er.31Wer will sagen, was er verdienet, wenn man's äußerlich ansiehet? Wer will ihm vergelten, was er tut?32Aber er wird zum Grabe gerissen und muß bleiben bei dem Haufen.33Es gefiel ihm wohl der Schlamm des Bachs, und alle Menschen werden ihm nachgezogen; und derer, die vor ihm gewesen sind, ist keine Zahl.34Wie tröstet ihr mich so vergeblich, und eure Antwort findet sich unrecht.

Kapitel 22

1Da antwortete Eliphas von Theman und sprach:2Was darf GOtt eines Starken, und was nützt ihm ein Kluger?3Meinest du, daß dem Allmächtigen gefalle, daß du dich so fromm machest? Oder was hilft's ihm, ob du deine Wege gleich ohne Wandel achtest?4Meinest du, er wird sich vor dir fürchten, dich zu strafen, und mit dir vor Gericht treten?5Ja, deine Bosheit ist zu groß, und deiner Missetat ist kein Ende.6Du hast etwa deinem Bruder ein Pfand genommen ohne Ursache, du hast den Nackenden die Kleider ausgezogen;7du hast die Müden nicht getränket mit Wasser und hast dem Hungrigen dein Brot versagt;8du hast Gewalt im Lande geübet und prächtig drinnen gesessen;9die Witwen hast du leer lassen gehen und die Arme der Waisen zerbrochen.10Darum bist du mit Stricken umgeben, und Furcht hat dich plötzlich erschrecket.11Solltest du denn nicht die Finsternis sehen, und die Wasserflut dich nicht bedecken?12Siehe, GOtt ist hoch droben im Himmel und siehet die Sterne droben in der Höhe.13Und du sprichst: Was weiß GOtt? Sollt er, das im Dunkeln ist, richten können?14Die Wolken sind seine Vordecke, und siehet nicht, und wandelt im Umgang des Himmels.15Willst du der Welt Lauf achten, darinnen die Ungerechten gegangen sind,16die vergangen sind, ehe denn es Zeit war, und das Wasser hat ihren Grund weggewaschen,17die zu GOtt sprachen: Heb dich von uns, was sollte der Allmächtige ihnen tun können,18so er doch ihr Haus mit Gütern füllete? Aber der Gottlosen Rat sei ferne von mir!19Die Gerechten werden sehen und sich freuen, und der Unschuldige wird ihrer spotten.20Was gilt's, ihr Wesen wird verschwinden und ihr Übriges das Feuer verzehren!21So vertrage dich nun mit ihm und habe Frieden; daraus wird dir viel Gutes kommen.22Höre das Gesetz von seinem Munde und fasse seine Rede in dein Herz.23Wirst du dich bekehren zu dem Allmächtigen, so wirst du gebauet werden und Unrecht ferne von deiner Hütte tun,24so wirst du für Erde Gold geben und für die Felsen güldene Bäche;25und der Allmächtige wird dein Gold sein, und Silber wird dir zugehäuft werden.26Dann wirst du deine Lust haben an dem Allmächtigen und dein Antlitz zu GOtt aufheben.27So wirst du ihn bitten, und er wird dich hören; und wirst deine Gelübde bezahlen.28Was du wirst vornehmen, wird er dir lassen gelingen; und das Licht wird auf deinem Wege scheinen.29Denn die sich demütigen, die erhöhet er; und wer seine Augen niederschlägt, der wird genesen.30Und der Unschuldige wird errettet werden; er wird aber errettet um seiner Hände Reinigkeit willen.

Kapitel 23

1Hiob antwortete und sprach:2Meine Rede bleibet noch betrübt; meine Macht ist schwach über meinem Seufzen.3Ach, daß ich wüßte, wie ich ihn finden und zu seinem Stuhl kommen möchte4und das Recht vor ihm sollte vorlegen und den Mund voll Strafe fassen5und erfahren die Rede, die er mir antworten, und vernehmen, was er mir sagen würde!6Will er mit großer Macht mit mir rechten? Er stelle sich nicht so gegen mich,7sondern lege mir's gleich vor, so will ich mein Recht wohl gewinnen.8Aber gehe ich nun stracks vor mich, so ist er nicht da; gehe ich zurück, so spüre ich ihn nicht.9Ist er zur Linken, so ergreife ich ihn nicht; verbirget er sich zur Rechten, so sehe ich ihn nicht.10Er aber kennet meinen Weg wohl. Er versuche mich, so will ich erfunden werden wie das Gold.11Denn ich setze meinen Fuß auf seine Bahn und halte seinen Weg und weiche nicht ab12und trete nicht von dem Gebot seiner Lippen; und bewahre die Rede seines Mundes mehr, denn ich schuldig bin.13Er ist einig, wer will ihm antworten? Und er macht es, wie er will.14Und wenn er mir gleich vergilt, was ich verdienet habe, so ist sein noch mehr dahinten.15Darum erschrecke ich vor ihm; und wenn ich's merke, so fürchte ich mich vor ihm.16GOtt hat mein Herz blöde gemacht, und der Allmächtige hat mich erschrecket.17Denn die Finsternis macht kein Ende mit mir, und das Dunkel will vor mir nicht verdeckt werden.

Kapitel 24

1Warum sollten die Zeiten dem Allmächtigen nicht verborgen sein? Und die ihn kennen, sehen seine Tage nicht.2Sie treiben die Grenzen zurück; sie rauben die Herden und weiden sie.3Sie treiben der Waisen Esel weg und nehmen der Witwen Ochsen zu Pfande.4Die Armen müssen ihnen weichen, und die Dürftigen im Lande müssen sich verkriechen.5Siehe, das Wild in der Wüste gehet heraus, wie sie pflegen, frühe zum Raub, daß sie Speise bereiten für die Jungen.6Sie ernten auf dem Acker alles, was er trägt, und lesen den Weinberg, den sie mit Unrecht haben.7Die Nackenden lassen sie liegen und lassen ihnen keine Decke im Frost, denen sie die Kleider genommen haben,8daß sie sich müssen zu den Felsen halten, wenn ein Platzregen von den Bergen auf sie gießt, weil sie sonst keinen Trost haben.9Sie reißen das Kind von den Brüsten und machen's zum Waisen und machen die Leute arm mit Pfänden.10Den Nackenden lassen sie ohne Kleider gehen und den Hungrigen nehmen sie die Garben.11Sie zwingen sie, Öl zu machen auf ihrer eigenen Mühle und ihre eigene Kelter zu treten, und lassen sie doch Durst leiden.12Sie machen die Leute in der Stadt seufzend und die Seelen der Erschlagenen schreiend; und GOtt stürzet sie nicht.13Darum sind sie abtrünnig worden vom Licht und kennen seinen Weg nicht und kehren nicht wieder zu seiner Straße.14Wenn der Tag anbricht, stehet auf der Mörder und erwürget den Armen und Dürftigen; und des Nachts ist er wie ein Dieb.15Das Auge des Ehebrechers hat acht auf das Dunkel und spricht: Mich siehet kein Auge; und verdecket sein Antlitz.16Im Finstern bricht er zu den Häusern ein. Des Tages verbergen sie sich miteinander und scheuen das Licht.17Denn wo ihnen der Morgen kommt, ist's ihnen wie eine Finsternis; denn er fühlet das Schrecken der Finsternis.18Er fähret leichtfertig wie auf einem Wasser dahin; seine Habe wird geringe im Lande, und bauet seinen Weinberg nicht.19Die Hölle nimmt weg, die da sündigen, wie die Hitze und Dürre das Schneewasser verzehret.20Es werden sein vergessen die Barmherzigen; seine Lust wird wurmig werden; sein wird nicht mehr gedacht; er wird zerbrochen werden wie ein fauler Baum.21Er hat beleidiget die Einsame, die nicht gebiert, und hat der Witwe kein Gutes getan22und die Mächtigen unter sich gezogen mit seiner Kraft. Wenn er stehet, wird er seines Lebens nicht gewiß sein.23Er macht ihm wohl selbst eine Sicherheit, darauf er sich verlasse; doch sehen seine Augen auf ihr Tun.24Sie sind eine kleine Zeit erhaben und werden zunichte und unterdrückt und ganz und gar ausgetilget werden, und wie die erste Blüte an den Ähren werden sie abgeschlagen werden.25Ist's nicht also? Wohlan, wer will mich Lügen strafen und bewähren, daß meine Rede nichts sei?



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