Die Bibel Martin Luther 1545

Das Buch Hiob (Author Hiob and/or Mose)

Kapitel 35

1Und Elihu antwortete und sprach:2Achtest du das für recht, daß du sprichst: Ich bin gerechter denn GOtt?3Denn du sprichst: Wer gilt bei dir etwas? Was hilft's, ob ich mich ohne Sünde mache?4Ich will dir antworten ein Wort und deinen Freunden mit dir.5Schaue gen Himmel und siehe, und schaue an die Wolken, daß sie dir zu hoch sind.6Sündigest du, was kannst du mit ihm machen? Und ob deiner Missetat viel ist, was kannst du ihm tun?7Und ob du gerecht seiest, was kannst du ihm geben, oder was wird er von deinen Händen nehmen?8Einem Menschen, wie du bist, mag wohl etwas tun deine Bosheit und einem Menschenkinde deine Gerechtigkeit.9Dieselbigen mögen schreien, wenn ihnen viel Gewalt geschieht, und rufen über den Arm der Großen,10die nicht danach fragen, wo ist GOtt, mein Schöpfer, der das Gesänge macht in der Nacht,11der uns gelehrter macht denn das Vieh auf Erden und weiser denn die Vögel unter dem Himmel?12Aber sie werden da auch schreien über den Hochmut der Bösen, und er wird sie nicht erhören.13Denn GOtt wird das Eitle nicht erhören, und der Allmächtige wird es nicht ansehen.14Dazu sprichst du, du werdest ihn nicht sehen. Aber es ist ein Gericht vor ihm; harre sein nur,15ob sein Zorn bald nicht heimsucht, und sich nicht annimmt, daß so viel Laster da sind.16Darum hat Hiob seinen Mund umsonst aufgesperrt und gibt stolze Teiding vor mit Unverstand.

Kapitel 36

1Elihu redete weiter und sprach:2Harre mir noch ein wenig, ich will dir's zeigen; denn ich habe noch von GOttes wegen was zu sagen.3Ich will meinen Verstand weit holen und meinen Schöpfer beweisen, daß er recht sei.4Meine Reden sollen ohne Zweifel nicht falsch sein, mein Verstand soll ohne Wandel vor dir sein.5Siehe, GOtt verwirft die Mächtigen nicht; denn er ist auch mächtig von Kraft des Herzens.6Den Gottlosen erhält er nicht, sondern hilft dem Elenden zum Rechten.7Er wendet seine Augen nicht von dem Gerechten und die Könige läßt er sitzen auf dem Thron immerdar, daß sie hoch bleiben.8Und wo Gefangene liegen in Stöcken und gebunden mit Stricken elendiglich,9so verkündiget er ihnen, was sie getan haben, und ihre Untugend, daß sie mit Gewalt gefahren haben.10Und öffnet ihnen das Ohr zur Zucht und sagt ihnen, daß sie sich von dem Unrechten bekehren sollen.11Gehorchen sie und dienen ihm, so werden sie bei guten Tagen alt werden und mit Lust leben.12Gehorchen sie nicht, so werden sie ins Schwert fallen und vergehen, ehe sie es gewahr werden.13Die Heuchler, wenn sie der Zorn trifft, schreien sie nicht, wenn sie gefangen liegen;14so wird ihre Seele mit Qual sterben und ihr Leben unter den Hurern.15Aber den Elenden wird er aus seinem Elend erretten und dem Armen das Ohr öffnen in Trübsal.16Er wird dich reißen aus dem weiten Rachen der Angst, die keinen Boden hat; und dein Tisch wird Ruhe haben, voll alles Guten.17Du aber machst die Sache der Gottlosen gut, daß ihre Sache und Recht erhalten wird.18Siehe zu, daß dich nicht vielleicht Zorn beweget habe, jemand zu plagen, oder groß Geschenk dich nicht gebeuget habe.19Meinest du, daß er deine Gewalt achte, oder Gold, oder irgend eine Stärke oder Vermögen?20Du darfst der Nacht nicht begehren, die Leute an ihrem Ort zu überfallen.21Hüte dich und kehre dich nicht zum Unrecht, wie du denn vor Elend angefangen hast.22Siehe, GOtt ist zu hoch in seiner Kraft; wo ist ein Lehrer, wie er ist?23Wer will über ihn heimsuchen seinen Weg, und wer will zu ihm sagen: Du tust unrecht?24Gedenke, daß du sein Werk nicht wissest, wie die Leute singen.25Denn alle Menschen sehen das, die Leute schauen's von ferne.26Siehe, GOtt ist groß und unbekannt; seiner Jahre Zahl kann niemand forschen.27Er macht das Wasser zu kleinen Tropfen und treibt seine Wolken zusammen zum Regen,28daß die Wolken fließen und triefen sehr auf die Menschen.29Wenn er vornimmt, die Wolken auszubreiten, wie sein hoch Gezelt,30siehe, so breitet er aus seinen Blitz über dieselben und bedecket alle Enden des Meers.31Denn damit schreckt er die Leute und gibt doch Speise die Fülle.32Er decket den Blitz wie mit Händen und heißt es doch wiederkommen.33Davon zeuget sein Geselle, nämlich des Donners Zorn in Wolken.

Kapitel 37

1Des entsetzt sich mein Herz und bebet.2Lieber, höret doch, wie sein Donner zürnet, und was für Gespräch von seinem Munde ausgehet!3Er siehet unter allen Himmeln, und sein Blitz scheinet auf die Enden der Erde.4Dem nach brüllet der Donner, und er donnert mit seinem großen Schall, und wenn sein Donner gehöret wird, kann man's nicht aufhalten.5GOtt donnert mit seinem Donner greulich und tut große Dinge, und wird doch nicht erkannt.6Er spricht zum Schnee, so ist er bald auf Erden, und zum Platzregen, so ist der Platzregen da mit Macht.7Alle Menschen hat er in der Hand als verschlossen, daß die Leute lernen, was er tun kann.8Das wilde Tier gehet in die Höhle und bleibt an seinem Ort.9Von Mittag her kommt Wetter und von Mitternacht Kälte.10Vom Odem GOttes kommt Frost, und große Wasser, wenn er auftauen läßt.11Die dicken Wolken scheiden sich, daß es helle werde, und durch den Nebel bricht sein Licht.12Er kehret die Wolken, wo er hin will, daß sie schaffen alles, was er ihnen gebeut, auf dem Erdboden,13es sei über ein Geschlecht oder über ein Land, so man ihn barmherzig findet.14Da merke auf, Hiob; stehe, und vernimm die Wunder GOttes!15Weißt du, wenn GOtt solches über sie bringt und wenn er das Licht seiner Wolken läßt hervorbrechen?16Weißt du, wie sich die Wolken ausstreuen? Welche Wunder die Vollkommenen wissen.17Daß deine Kleider warm sind, wenn das Land stille ist vom Mittagswind?18Ja, du wirst mit ihm die Wolken ausbreiten, die fest stehen wie ein gegossener Spiegel.19Zeige uns, was wir ihm sagen sollen; denn wir werden nicht dahin reichen vor Finsternis.20Wer wird ihm erzählen, daß ich rede? So jemand redet, der wird verschlungen.21Jetzt siehet man das Licht nicht, das in den Wolken helle leuchtet; wenn aber der Wind wehet, so wird's klar.22Von Mitternacht kommt Gold zu Lob vor dem schrecklichen GOtt.23Den Allmächtigen aber mögen sie nicht begreifen, der so groß ist von Kraft; denn er wird von seinem Recht und guter Sache nicht Rechenschaft geben.24Darum müssen ihn fürchten die Leute; und er fürchtet sich vor keinem, wie weise sie sind.



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