Die Bibel Martin Luther 1545

Das Buch Hiob (Author Hiob and/or Mose)

Kapitel 8

1Da antwortete Bildad von Suah und sprach:2Wie lange willst du solches reden und die Rede deines Mundes so einen stolzen Mut haben?3Meinest du, daß GOtt unrecht richte, oder der Allmächtige das Recht verkehre?4Haben deine Söhne vor ihm gesündiget, so hat er sie verstoßen um ihrer Missetat willen.5So du aber dich beizeiten zu GOtt tust und dem Allmächtigen flehest,6und du so rein und fromm bist, so wird er aufwachen zu dir und wird wieder aufrichten die Wohnung um deiner Gerechtigkeit willen;7und was du zuerst wenig gehabt hast, wird hernach fast zunehmen.8Denn frage die vorigen Geschlechter und nimm dir vor, zu forschen ihre Väter.9(Denn wir sind von gestern her und wissen nichts; unser Leben ist ein Schatten auf Erden.)10Sie werden dich's lehren und dir sagen und ihre Rede aus ihrem Herzen hervorbringen.11Kann auch das Schilf aufwachsen, wo es nicht feucht stehet, oder Gras wachsen ohne Wasser?12Sonst wenn's noch in der Blüte ist, ehe es abgehauen wird, verdorret es, ehe denn man Heu machet.13So geht es allen denen, die GOttes vergessen, und die Hoffnung der Heuchler wird verloren sein.14Denn seine Zuversicht vergehet, und seine Hoffnung ist eine Spinnwebe.15Er verlässet sich auf sein Haus und wird doch nicht bestehen; er wird sich dran halten, aber doch nicht stehen bleiben.16Es hat wohl Früchte, ehe denn die Sonne kommt; und Reiser wachsen hervor in seinem Garten.17Seine Saat stehet dicke bei den Quellen und sein Haus auf Steinen.18Wenn er ihn aber verschlinget von seinem Ort, wird er sich gegen ihn stellen, als kennete er ihn nicht.19Siehe, das ist die Freude seines Wesens; und werden andere aus dem Staube wachsen.20Darum siehe, daß GOtt nicht verwirft die Frommen und erhält nicht die Hand der Boshaftigen,21bis daß dein Mund voll Lachens werde und deine Lippen voll Jauchzens.22Die dich aber hassen; werden zuschanden werden, und der Gottlosen Hütte wird nicht bestehen.

Kapitel 9

1Hiob antwortete und sprach:2Ja, ich weiß fast wohl, daß also ist, daß ein Mensch nicht rechtfertig bestehen mag gegen GOtt.3Hat er Lust, mit ihm zu hadern, so kann er ihm auf tausend nicht eins antworten.4Er ist weise und mächtig wem ist's je gelungen, der sich wider ihn gelegt hat?5Er versetzt Berge, ehe sie es inne werden, die er in seinem Zorn umkehret.6Er weget ein Land aus seinem Ort, daß seine Pfeiler zittern.7Er spricht zur Sonne, so gehet sie nicht auf, und versiegelt die Sterne.8Er breitet den Himmel aus allein und gehet auf den Wogen des Meers.9Er machet den Wagen am Himmel und Orion und die Glucke und die Sterne gegen Mittag.10Er tut große Dinge, die nicht zu forschen sind, und Wunder, deren keine Zahl ist.11Siehe, er gehet vor mir über, ehe ich's gewahr werde, und verwandelt sich, ehe ich's merke.12Siehe, wenn er geschwind hinfähret, wer will ihn wiederholen? Wer will zu ihm sagen: Was machst du?13Er ist GOtt, seinen Zorn kann niemand stillen; unter ihm müssen sich beugen die stolzen Herren.14Wie sollt ich denn ihm antworten und Worte finden gegen ihn?15Wenn ich auch gleich recht habe, kann ich ihm dennoch nicht antworten sondern ich müßte um mein Recht flehen.16Wenn ich ihn schon anrufe, und er mich erhöret, so glaube ich doch nicht, daß er meine Stimme höre.17Denn er fähret über mich mit Ungestüm und macht mir der Wunden viel ohne Ursache.18Er läßt meinen Geist sich nicht erquicken, sondern macht mich voll Betrübnis.19Will man Macht; so ist er zu mächtig; will man Recht, wer will mein Zeuge sein?20Sage ich, daß ich gerecht bin; so verdammet er mich doch; bin ich fromm, so macht er mich doch zu Unrecht.21Bin ich denn fromm, so darf sich's meine Seele nicht annehmen. Ich begehre keines Lebens mehr.22Das ist das Eine, das ich gesagt habe: Er bringet um beide den Frommen und Gottlosen.23Wenn er anhebt zu geißeln, so dringet er fort bald zum Tode und spottet der Anfechtung der Unschuldigen.24Das Land aber wird gegeben unter die Hand des Gottlosen, daß er ihre Richter unterdrücke. Ist's nicht also? Wie sollte es anders sein?25Meine Tage sind schneller gewesen denn ein Läufer; sie sind geflohen und haben nichts Gutes erlebt.26Sie sind vergangen wie die starken Schiffe, wie ein Adler fleugt zur Speise.27Wenn ich gedenke, ich will meiner Klage vergessen und meine Gebärde lassen fahren und mich erquicken,28so fürchte ich alle meine Schmerzen, weil ich weiß, daß du mich nicht unschuldig sein lässest.29Bin ich denn gottlos, warum leide ich denn solche vergebliche Plage?30Wenn ich mich gleich mit Schneewasser wünsche und reinigte meine Hände mit dem Brunnen,31so wirst du mich doch tunken in Kot, und werden mir meine Kleider scheußlich anstehen.32Denn er ist nicht meinesgleichen, dem ich antworten möchte, daß wir vor Gericht miteinander kämen.33Es ist unter uns kein Schiedsmann, noch der seine Hand zwischen uns beide lege.34Er nehme von mir seine Rute und lasse sein Schrecken von mir,35daß ich möge reden und mich nicht vor ihm fürchten dürfe; sonst kann ich nichts tun, das für mich sei.

Kapitel 10

1Meine Seele verdreußt mein Leben; ich will meine Klage bei mir gehen lassen und reden von Betrübnis meiner Seele2und zu GOtt sagen: Verdamme mich nicht; laß mich wissen, warum du mit mir haderst!3Gefällt dir's, daß du Gewalt tust und mich verwirfst, den deine Hände gemacht haben, und machest der Gottlosen Vornehmen zu Ehren?4Hast du denn auch fleischliche Augen, oder siehest du, wie ein Mensch siehet?5Oder ist deine Zeit wie eines Menschen Zeit, oder deine Jahre wie eines Mannes Jahre,6daß du nach meiner Missetat fragest und suchest meine Sünde?7So du doch weißt, wie ich nicht gottlos sei; so doch niemand ist, der aus deiner Hand erretten möge.8Deine Hände haben mich gearbeitet und gemacht alles, was ich um und um bin; und versenkest mich sogar!9Gedenke doch, daß du mich aus Leimen gemacht hast, und wirst mich wieder zu Erden machen.10Hast du mich nicht wie Milch gemolken und wie Käse lassen gerinnen?11Du hast mir Haut und Fleisch angezogen, mit Beinen und Adern hast du mich zusammengefüget.12Leben und Wohltat hast du an mir getan, und dein Aufsehen bewahret meinen Odem.13Und wiewohl du solches in deinem Herzen verbirgest, so weiß ich doch, daß du des gedenkest.14Wenn ich sündige, so merkest du es bald und lässest meine Missetat nicht ungestraft.15Bin ich gottlos, so ist mir aber wehe; bin ich gerecht, so darf ich doch mein Haupt nicht aufheben, als der ich voll Schmach bin und sehe mein Elend.16Und wie ein aufgereckter Löwe jagest du mich und handelst wiederum greulich mit mir.17Du erneuest deine Zeugen wider mich und machst deines Zorns viel auf mich; es zerplagt mich eins über das andere mit Haufen.18Warum hast du mich aus Mutterleibe kommen lassen? Ach, daß ich wäre umkommen, und mich nie kein Auge gesehen hätte!19So wäre ich, als die nie gewesen sind, von Mutterleibe zum Grabe gebracht.20Will denn nicht ein Ende haben mein kurzes Leben, und von mir lassen, daß ich ein wenig erquickt würde,21ehe denn ich hingehe und komme nicht wieder, nämlich ins Land der Finsternis und des Dunkels,22ins Land, da es stockdick finster ist, und da keine Ordnung ist, da es scheinet wie das Dunkel?



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