Die Bibel Martin Luther 1545

Die Sprüche Salomos (Author Salomo)

Kapitel 25

1Dies sind auch Sprüche Salomos, die hinzugesellt haben die Männer Hiskias, des Königs Judas.2Es ist GOttes Ehre, eine Sache verbergen; aber der Könige Ehre ist's, eine Sache erforschen.3Der Himmel ist hoch und die Erde tief; aber der Könige Herz ist unerforschlich.4Man tue den Schaum vom Silber, so wird ein rein Gefäß draus.5Man tue gottlos Wesen vom Könige, so wird sein Thron mit Gerechtigkeit bestätiget.6Prange nicht vor dem Könige und tritt nicht an den Ort der Großen.7Denn es ist dir besser, daß man zu dir sage: Tritt hie herauf! denn daß du vor dem Fürsten geniedriget wirst, daß deine Augen sehen müssen.8Fahre nicht bald heraus zu zanken; denn was willst du hernach machen, wenn du deinen Nächsten geschändet hast?9Handle deine Sache mit deinem Nächsten und offenbare nicht eines andern Heimlichkeit,10auf daß dir's nicht übel spreche, der es höret, und dein böses Gerücht nimmer ablasse.11Ein Wort, geredet zu seiner Zeit, ist wie güldene Äpfel in silbernen Schalen.12Wer einen Weisen straft, der ihm gehorcht, das ist wie ein gülden Stirnband und gülden Halsband.13Wie die Kälte des Schnees zur Zeit der Ernte, so ist ein getreuer Bote dem, der ihn gesandt hat und erquickt seines Herrn Seele.14Wer viel geredet und hält nicht, der ist wie Wolken und Wind ohne Regen.15Durch Geduld wird ein Fürst versöhnet, und eine linde Zunge bricht die Härtigkeit.16Findest du Honig, so iß sein genug, daß du nicht zu satt werdest und speiest ihn aus.17Entzeuch deinen Fuß vom Hause deines Nächsten, er möchte dein überdrüssig und dir gram werden.18Wer wider seinen Nächsten falsch Zeugnis redet, der ist ein Spieß, Schwert und scharfer Pfeil.19Die Hoffnung des Verächters zur Zeit der Not ist wie ein fauler Zahn und gleitender Fuß.20Wer einem bösen Herzen Lieder singet, das ist wie ein zerrissen Kleid im Winter und Essig auf der Kreide.21Hungert deinen Feind, so speise ihn mit Brot; dürstet ihn, so tränke ihn mit Wasser.22Denn du wirst Kohlen auf sein Haupt häufen; und der HErr wird dir's vergelten.23Der Nordwind bringet Ungewitter, und die heimliche Zunge macht sauer Angesicht.24Es ist besser im Winkel auf dem Dache sitzen denn bei einem zänkischen Weibe in einem Hause beisammen.25Ein gut Gerücht aus fernen Landen in wie kalt Wasser einer durstigen Seele.26Ein Gerechter, der vor einem Gottlosen fällt, ist wie ein trüber Brunnen und verderbte Quelle.27Wer zu viel Honig isset, das ist nicht gut; und wer schwere Dinge forschet, dem wird's zu schwer.28Ein Mann, der seinen Geist nicht halten kann, ist wie eine offene Stadt ohne Mauern.

Kapitel 26

1Wie der Schnee im Sommer und Regen in der Ernte, also reimet sich dem Narren Ehre nicht.2Wie ein Vogel dahinfährt und eine Schwalbe fleugt, also ein unverdienter Fluch trifft nicht.3Dem Roß eine Geißel und dem Esel ein Zaum; und dem Narren eine Rute auf den Rücken.4Antworte dem Narren nicht mich seiner Narrheit, daß du ihm nicht auch gleich werdest.5Antworte aber dem Narren nach seiner Narrheit, daß er sich nicht weise lasse dünken.6Wer eine Sache durch einen törichten Boten ausrichtet, der ist wie ein Lahmer an Füßen und nimmt Schaden.7Wie einem Krüppel das Tanzen, also stehet den Narren an, von Weisheit reden.8Wer einem Narren Ehre anlegt, das ist, als wenn einer einen Edelstein auf den Rabenstein würfe.9Ein Spruch in eines Narren Mund ist wie ein Dornzweig, der in eines Trunkenen Hand sticht.10Ein guter Meister macht ein Ding recht; aber wer einen Hümpler dinget, dem wird's verderbt.11Wie ein Hund sein Gespeietes wieder frißt, also ist der Narr, der seine Narrheit wieder treibt.12Wenn du einen siehest, der sich weise dünket, da ist an einem Narren mehr Hoffnung denn an ihm.13Der Faule spricht: Es ist ein junger Löwe auf dem Wege und ein Löwe auf den Gassen.14Ein Fauler wendet sich im Bette wie die Tür in der Angel.15Der Faule verbirgt seine Hand in dem Topf, und wird ihm sauer, daß er sie zum Munde bringe.16Ein Fauler dünkt sich weiser denn sieben, die da Sitten lehren.17Wer vorgehet und sich menget in fremden Hader, der ist wie einer, der den Hund bei den Ohren zwacket.18Wie einer heimlich mit Geschoß und Pfeilen schießt und tötet,19also tut ein falscher Mensch mit seinem Nächsten und spricht danach: Ich habe gescherzt.20Wenn nimmer Holz da ist, so verlöscht das Feuer, und wenn der Verleumder weg ist, so höret der Hader auf.21Wie die Kohlen eine Glut und Holz ein Feuer, also richtet ein zänkischer Mann Hader an.22Die Worte des Verleumders sind wie Schläge und sie gehen durchs Herz.23Giftiger Mund und böses Herz ist wie ein Scherben mit Silberschaum überzogen.24Der Feind wird erkannt bei seiner Rede, wiewohl er im Herzen falsch ist.25Wenn er seine Stimme holdselig macht, so glaube ihm nicht; denn es sind sieben Greuel in seinem Herzen.26Wer den Haß heimlich hält, Schaden zu tun, des Bosheit wird vor der Gemeine offenbar werden.27Wer eine Grube macht, der wird dreinfallen; und wer einen Stein wälzet, auf den wird er kommen.28Eine falsche Zunge hasset, der ihn strafet; und ein Heuchelmaul richtet Verderben an.

Kapitel 27

1Rühme dich nicht des morgenden Tages; denn du weißest nicht, was heute sich begeben mag.2Laß dich einen andern loben und nicht deinen Mund, einen Fremden und nicht deine eigenen Lippen.3Stein ist schwer und Sand ist Last; aber des Narren Zorn ist schwerer denn die beiden.4Zorn ist ein wütig Ding, und Grimm ist ungestüm; und wer kann vor dem Neid bestehen?5Öffentliche Strafe ist besser denn heimliche Liebe.6Die Schläge des Liebhabers meinen's recht gut; aber das Küssen des Hassers ist ein Gewäsch.7Eine volle Seele zertritt wohl Honigseim; aber einer hungrigen Seele ist alles Bittre süß.8Wie ein Vogel ist, der aus seinem Nest weicht, also ist, der von seiner Stätte weicht.9Das Herz freuet sich der Salbe und Räuchwerk; aber ein Freund ist lieblich um Rats willen der Seele.10Deinen Freund und deines Vaters Freund verlaß nicht. Und gehe nicht ins Haus deines Bruders, wenn dir's übel gehet; denn ein Nachbar ist besser in der Nähe weder ein Bruder in der Ferne.11Sei weise, mein Sohn, so freuet sich mein Herz, so will ich antworten dem, der mich schmähet.12Ein Witziger siehet das Unglück und verbirgt sich; aber die Albernen gehen durch und leiden Schaden.13Nimm dem sein Kleid der für einen andern Bürge wird, und pfände ihn um der Fremden willen.14Wer seinen Nächsten mit lauter Stimme segnet und früh aufstehet, das wird ihm für einen Fluch geredet.15Ein zänkisch Weib und stetiges Triefen, wenn's sehr regnet, werden wohl miteinander verglichen.16Wer sie aufhält, der hält den Wind und will das Öl mit der Hand fassen.17Ein Messer wetzt das andere und ein Mann den andern.18Wer seinen Feigenbaum bewahret, der isset Früchte davon; und wer seinen Herrn bewahret, wird geehret.19Wie der Schemen im Wasser ist gegen das Angesicht, also ist eines Menschen Herz gegen den andern.20Hölle und Verderbnis werden nimmer voll, und der Menschen Augen sind auch unsättig.21Ein Mann wird durch den Mund des Lobers bewähret wie das Silber im Tiegel und das Gold im Ofen.22Wenn du den Narren im Mörser zerstießest mit dem Stämpfel wie Grütze, so ließe doch seine Narrheit nicht von ihm.23Auf deine Schafe hab acht und nimm dich deiner Herde an;24denn Gut währet nicht ewiglich, und die Krone währet nicht für und für.25Das Heu ist aufgegangen und ist da das Gras, und wird Kraut auf den Bergen gesammelt.26Die Lämmer kleiden dich, und die Böcke geben dir das Ackergeld.27Du hast Ziegenmilch genug zur Speise deines Hauses und zur Nahrung deiner Dirnen.

Kapitel 28

1Der Gottlose fleucht, und niemand jagt ihn; der Gerechte aber ist getrost wie ein junger Löwe.2Um des Landes Sünde willen werden viel Änderungen der Fürstentümer; aber um der Leute willen, die verständig und vernünftig sind, bleiben sie lange.3Ein armer Mann, der die Geringen beleidigt, ist wie ein Meltau, der die Frucht verderbt.4Die das Gesetz verlassen, loben den Gottlosen; die es aber bewahren, sind unwillig auf sie.5Böse Leute merken nicht aufs Recht; die aber nach dem HErrn fragen, merken auf alles.6Es ist besser ein Armer, der in seiner Frömmigkeit gehet, denn ein Reicher, der in verkehrten Wegen gehet.7Wer das Gesetz bewahret, ist ein verständig Kind; wer aber Schlemmer nähret, schändet seinen Vater.8Wer sein Gut mehret mit Wucher und Übersatz, der sammelt es zu Nutz der Armen.9Wer sein Ohr abwendet, zu hören das Gesetz, des Gebet ist ein Greuel.10Wer die Frommen verführet auf bösem Wege, der wird in seine Grube fallen; aber die Frommen werden Gutes ererben.11Ein Reicher dünkt sich weise sein; aber ein armer Verständiger merkt ihn.12Wenn die Gerechten überhand haben, so gehet es sehr fein zu; wenn aber Gottlose aufkommen, wendet sich's unter den Leuten.13Wer seine Missetat leugnet, dem wird's nicht gelingen; wer sie aber bekennet und lässet, der wird Barmherzigkeit erlangen.14Wohl dem, der sich allewege fürchtet! Wer aber halsstarrig ist, wird in Unglück fallen.15Ein Gottloser, der über ein arm Volk regieret, das ist ein brüllender Löwe und gieriger Bär.16Wenn ein Fürst ohne Verstand ist, so geschiehet viel Unrechts; wer aber den Geiz hasset, der wird lange leben.17Ein Mensch, der am Blut einer Seele unrecht tut, der wird nicht erhalten, ob er auch in die Hölle führe.18Wer fromm einhergehet, wird genesen; wer aber verkehrtes Weges ist, wird auf einmal zerfallen.19Wer seinen Acker bauet, wird Brots genug haben; wer aber Müßiggang nachgehet, wird Armuts genug haben.20Ein treuer Mann wird viel gesegnet; wer aber eilet, reich zu werden, wird nicht unschuldig bleiben.21Person ansehen ist nicht gut; denn er täte übel auch wohl um ein Stück Brots.22Wer eilet zum Reichtum und ist neidisch, der weiß nicht, daß ihm Unfall begegnen wird.23Wer einen Menschen straft, wird hernach Gunst finden, denn der da heuchelt.24Wer seinem Vater oder Mutter nimmt und spricht, es sei nicht Sünde, der ist des Verderbers Geselle.25Ein Stolzer erweckt Zank; wer aber auf den HErrn sich verläßt, wird fett.26Wer sich auf sein Herz verläßt, ist ein Narr; wer aber mit Weisheit gehet, wird entrinnen.27Wer dem Armen gibt, dem wird nicht mangeln; wer aber seine Augen abwendet, der wird sehr verderben.28Wenn die Gottlosen aufkommen, so verbergen sich die Leute; wenn sie aber umkommen, wird der Gerechten viel.



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