Die Bibel Martin Luther 1545

Der Psalter (Author Mose, David, Solomon, Asaphs, Heman, Ethan, sons of Korah, compiled by Esra)

Kapitel 55

1GOtt, höre mein Gebet und verbirg dich nicht vor meinem Flehen.2Merke auf mich und erhöre mich, wie ich so kläglich zage und heule,3daß der Feind so schreiet, und der Gottlose dränget; denn sie wollen mir einen Tück beweisen und sind mir heftig gram.4Mein Herz ängstet sich in meinem Leibe, und des Todes Furcht ist auf mich gefallen.5Furcht und Zittern ist mich ankommen, und Grauen hat mich überfallen.6Ich sprach: O, hätte ich Flügel wie Tauben, daß ich flöge und etwa bliebe!7Siehe, so wollt ich mich ferne weg machen und in der Wüste bleiben. Sela.8Ich wollt eilen, daß ich entrönne vor dem Sturmwind und Wetter.9Mache ihre Zunge uneins, HErr, und laß sie untergehen; denn ich sehe Frevel und Hader in der Stadt.10Solches gehet Tag und Nacht um und um in ihren Mauern; es ist Mühe und Arbeit drinnen.11Schadentun regieret drinnen, Lügen und Trügen läßt nicht von ihrer Gasse.12Wenn mich doch mein Feind schändete, wollt ich's leiden, und wenn mir mein Hasser pochte, wollt ich mich vor ihm verbergen;13du aber bist mein Geselle, mein Pfleger und mein Verwandter,14die wir freundlich miteinander waren unter uns; wir wandelten im Hause GOttes zu Haufen.15Der Tod übereile sie, und müssen lebendig in die Hölle fahren; denn es ist eitel Bosheit unter ihrem Haufen.16Ich aber will zu GOtt rufen, und der HErr wird mir helfen.17Des Abends, Morgens und Mittags will ich klagen und heulen, so wird er meine Stimme hören.18Er erlöset meine Seele von denen, die an mich wollen, und schaffet ihr Ruhe; denn ihrer ist viel wider mich.19GOtt wird hören und sie demütigen, der allwege bleibt. Sela. Denn sie werden nicht anders und fürchten GOtt nicht.20Denn sie legen ihre Hände an seine Friedsamen und entheiligen seinen Bund.21Ihr Mund ist glätter denn Butter und haben doch Krieg im Sinn; ihre Worte sind gelinder denn Öl und sind doch bloße Schwerter.22Wirf dein Anliegen auf den HErrn! Der wird dich versorgen und wird den Gerechten nicht ewiglich in Unruhe lassen.23Aber, GOtt, du wirst sie hinunterstoßen in die tiefe Grube. Die Blutgierigen und Falschen werden ihr Leben nicht zur Hälfte bringen. Ich aber hoffe auf dich.

Kapitel 56

Ein gülden Kleinod Davids von der stummen Taube unter den Fremden, da ihn die Philister griffen zu Gath.1GOtt, sei mir gnädig, denn Menschen wollen mich versenken; täglich streiten sie und ängsten mich.2Meine Feinde versenken mich täglich; denn viele streiten wider mich stolziglich.3Wenn ich mich fürchte, hoffe ich auf dich.4Ich will GOttes Wort rühmen; auf GOtt will ich hoffen und mich nicht fürchten; was sollte mir Fleisch tun?5Täglich fechten sie meine Worte an; all ihre Gedanken sind, daß sie mir übel tun.6Sie halten zuhauf und lauern und haben acht auf meine Fersen, wie sie meine Seele erhaschen.7Was sie Böses tun, das ist schon vergeben. GOtt, stoße solche Leute ohne alle Gnade hinunter!8Zähle meine Flucht, fasse meine Tränen in deinen Sack! Ohne Zweifel, du zählest sie.9Dann werden sich meine Feinde müssen zurückkehren, wenn ich rufe; so werde ich inne, daß du mein GOtt bist.10Ich will rühmen GOttes Wort, ich will rühmen des HErrn Wort.11Auf GOtt hoffe ich und fürchte mich nicht; was können mir die Menschen tun?12Ich habe dir, GOtt, gelobet, daß ich dir danken will.13Denn du hast meine Seele vom Tode errettet, meine Füße vom Gleiten, daß ich wandeln mag vor GOtt im Licht der Lebendigen.

Kapitel 57

Ein gülden Kleinod Davids, vorzusingen, daß er nicht umkäme, da er vor Saul floh in die Höhle.1Sei mir gnädig, GOtt, sei mir gnädig! Denn auf dich trauet meine Seele und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, bis daß das Unglück vorübergehe.2Ich rufe zu GOtt, dem Allerhöchsten, zu GOtt, der meines Jammers ein Ende macht.3Er sendet vom Himmel und hilft mir von der Schmach meines Versenkers. Sela. GOtt sendet seine Güte und Treue.4Ich liege mit meiner Seele unter den Löwen. Die Menschenkinder sind Flammen; ihre Zähne sind Spieße und Pfeile und ihre Zungen scharfe Schwerter.5Erhebe dich, GOtt, über den Himmel und deine Ehre über alle Welt!6Sie stellen meinem Gange Netze und drücken meine Seele nieder; sie graben vor mir eine Grube und fallen selbst drein. Sela.7Mein Herz ist bereit, GOtt, mein Herz ist bereit, daß ich singe und lobe.8Wach auf, meine Ehre, wach auf, Psalter und Harfe! Frühe wille ich aufwachen.9HErr, ich will dir danken unter den Völkern, ich will dir lobsingen unter den Leuten.10Denn deine Güte ist, soweit der Himmel ist, und deine Wahrheit, soweit die Wolken gehen.11Erhebe dich, GOtt, über den Himmel und deine Ehre über alle Welt!



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